Der "Maybach - Club"


Versetzen Sie sich in Gedanken zurück an die Zeit nach 1945: Die Wirtschaft lag am Boden, war vielfach zerstört. Die Menschen litten Hunger und sorgten sich um das tägliche Brot, um ein Dach über dem Kopf.

Man begann damit aufzuräumen, Trümmer zu beseitigen, Häuser aufzubauen und zaghaft fanden sich gelegentlich Blüten aus den Ruinen.

Jahre waren vergangen, seit der letzte "Maybach" die mittlerweile zerstörten Fabrikhallen in Friedrichshafen verließ. Viele Besitzer und Fahrer dieser Automobile waren aus dem Krieg nicht zurückgekommen.

Große Autos sterben langsam - deswegen fand man hier und dort noch einen Maybach, manche sogar fahrbereit und in Betrieb, es soll sogar welche mit einer Holzgasanlage gegeben haben.

Eine ganze Anzahl dieser Automobile "diente" gewissermaßen in der amerikanischen, britischen und französischen Armee - in der Regel als Fahrzeuge für hohe Offiziere.

Viele davon fanden dann später den Weg über den Ozean in die USA.

Wenige Firmen hielten sich noch einen "Maybach" sozusagen als Direktionswagen und für besondere Anlässe, denn für den täglichen Einsatz war damals der Benzinverbrauch zu hoch und die Ersatzteilbeschaffung zu schwierig.

Mancher schöne Wagen wurde verschrottet, nur weil dieses oder jenes Teil fehlte und übrig blieb möglicherweise nur das Fahrgestell mit den Achsen, umgebaut in einen landwirtschaftlichen Anhänger oder dergleichen.

Heute noch gibt es einen Maybach, der zu einer fahrbaren Holzsägemaschine umgebaut wurde - ein Schicksal das damals viele Autos erlitten - der Wagen ist im Originalzustand in Sinsheim zu besichtigen.

Eine beträchtliche Anzahl landete im wörtlichen Sinne dieses Wortes bei den Segelfliegern als "Winden-Schlepp-Fahrzeuge", die gleichzeitig der "Seilrückholung" und dem Anhängertransport von Segelflugzeugen dienten.
Die Motoren mit starkem Drehmoment waren nämlich hervorragend dazu geeignet, ein Segelflugzeug mit einer Seilwinde sicher zu starten.

Aber auch damals schon gab es Leute, die sich für die "flüsternden Riesen" vom Bodensee interessierten und daran gingen, historische Maybach-Automobile vor der Schrottpresse zu retten.

Normalerweise ganz einfach dadurch, daß der Wagen in einer Scheune, in einer Halle untergestellt wurde, um auf bessere Zeiten zu warten. Manche davon sogar fahrbereit für gelegentliche, meist seltene, Ausfahrten und manche, besonders glückliche Automobile, im Besitz der alten Familie - unangetastet und vollständig im Originalzustand.

Die Enthusiasten fanden zueinander, so auch einige Maybach-Freunde, die sich am 1. Oktober 1963 in der "Alten Post" zu Saulgau trafen, nämlich: Professor Ottmar Ballweg, Richard von Frankenberg, U. Jakobi, Kurt Lehmann und Michael Graf Wolff Metternich.

Am 30. November 1966 wurde von unserem Ehrenpräsidenten, Michael Graf Wolff Metternich, ein Rundschreiben an die damals bekannten Besitzer von Maybach-Fahrzeugen verschickt mit der Anregung, einem Maybach-Club beizutreten.
In diesem Schreiben finden sich unter anderem folgende Ausführungen:

"Sind Sie nicht auch mit mir der Ansicht, dass es schön wäre, wenn sich diese letzten Maybach-Fahrer in einem zwanglosen Club, bar jeder Vereinsmeierei und Statuten, zusammenfänden?"

sowie:

"Wir alle haben doch Freude an unseren Maybach-Wagen. Wir haben aber auch alle den Wunsch diese Automobile zu erhalten und wir wissen wie schwer und mühsam dies sein kann.
Lassen wir uns dabei gegenseitig mit Rat und Tat helfen. Reparaturen werden im Werk, wie Sie wissen, immer problematischer. Der Club könnte auch in dieser Hinsicht eher Gnade bei der Werksleitung finden.
Sollten wir nicht auch einmal gelegentlich ein Treffen mit unseren Wagen, vielleicht im Werk in Friedrichshafen, durchführen?
Geben auch Sie uns keine Absage und machen Sie uns die Freude formlos Ihren Beitritt in den Club der Maybach-Freunde zu erklären."

Im Grunde genommen war das die Geburtsstunde des Maybach-Clubs.

Schon am 13. Februar 1967 konnte den Maybach-Freunden der Beitritt zum Club bestätigt werden.

Die eigentlichen Gründungsmitglieder waren:
Professor Ottmar Ballweg, Bruno Beck, Uwe Hucke, U. Jakobi, Kurt Lehmann, Michael Graf Wolff Metternich.
Der erste Präsident des Clubs war Graf Metternich, der heutige Ehrenpräsident.

Es folgten Clubtreffen in Friedrichshafen 1971, Bad Oeynhausen 1975, Friedrichshafen 1976, Würtingen 1978, Lohr 1980, Oldenburg 1981, Berlin  1982, Urach 1983, Friedrichshafen 1984, Lorch/Württbg.  1985, Heilbronn 1986,  Weinfelden/Schweiz 1987, Bad Rothenfelde 1988, Schramberg 1989, Walldürn 1990, Nürtingen 1991, Münster 1992, Höchberg 1993, Wiesbaden 1994, Lüneburger Heide 1995, Friedrichshafen 1996, Lengenfeld/Oberpfalz 1997, Speyer 1998, Lorch/Württbg. 1999, Heilbronn 2000, Bayreuth 2001, Garmisch-Partenkirchen 2002.

Von Anfang an war der "Maybach-Club" völlig anders konzipiert als die üblichen Vereine. Es gibt keinen Mitgliedsbeitrag, keine Umlagen und keine Statuten. Man braucht keine Organisation und Sitzungen mit langwierigen Formalien. Es gibt einen gewählten Präsidenten der dafür sorgt, daß das Clubleben funktioniert und mittlerweile werden drei oder viermal im Jahr Rundschreiben an die Mitglieder verschickt - zum Teil sogar zweisprachig, deutsch und englisch.

Das Ganze funktioniert so, wie die allerersten Clubs in Großbritannien - man trifft sich, man sitzt zusammen und freut sich an den Automobilen.

Jedermann, ohne Ansehen der Person, kann Mitglied des Maybach-Clubs" werden. Er muß entweder einen historischen Maybach besitzen, oder ein Mitglied der Familie Maybach sein, oder zu den früheren Mitarbeitern der alten Firma "Maybach-Motorenbau" in Friedrichshafen am Bodensee gehören.Mitglieder die jahrelang einen Maybach fuhren, ihn aber aus Altersgründen oder dergleichen abgaben, bleiben im Club, auch wenn sie kein Fahrzeug
mehr besitzen.

Der Club trifft sich mindestens einmal im Jahr, normalerweise lädt ein Mitglied oder eine Gruppe von Mitgliedern zu diesem Treffen ein.

Seit 1999 gibt es ein zweites Club-Treffen, nämlich zusammen mit dem Mercedes Benz Kompressor Club.

Zur Zeit zählt der Club rund 150 Mitglieder, wir wissen, daß noch weltweit 158 Fahrzeuge existieren.

Der "Maybach-Club" bemüht sich den Mitgliedern mit Rat und Tat beizustehen.
Das früher wichtige Problem der Ersatzteilversorgung der Reparaturen und der technischen Auskünfte, sowie Informationen ist gelöst, seitdem es die Maybach-Spezialwerkstatt von Herrn Dangel gibt.

Für Leute, die diese Information im Internet lesen:
Der Maybach-Club befaßt sich nicht mit dem Kauf oder Verkauf von Maybach-Fahrzeugen. Der Maybach-Club erstellt keine Schätzungen über den Wert von Maybach-Automobilen. Der Maybach-Club handelt nicht mit Ersatzteilen und verfügt auch über keine "Souvenirs" wie Poster und dergleichen, die gratis abgegeben werden können.

Der "Maybach-Club" ist aber sehr interessiert daran über neu aufgefundene Fahrzeuge - es kommen immer wieder welche zum Vorschein - informiert zu werden. Der Besitzer eines solchen neu entdeckten "Maybach" kann sich als Mitglied bewerben.

Der Club interessiert sich auch für Informationen über nicht mehr existierende Maybach-Fahrzeuge, deren Besitzer und deren Geschichte.

Leider gibt es nirgendwo ein Archiv, das Fragen beantworten könnte, die in ähnlicher Form oft gestellt werden wie "ein Bruder meiner Oma hatte ein großes Auto, das war grün und es war sicher ein Maybach, können Sie mir sagen, wo das Auto verblieben ist?".

Der "Maybach-Club" ist auch - das muß an dieser Stelle gesagt werden - kein "Dienstleistungsbetrieb" wie etwa der ADAC oder ähnliche Clubs. Wir sind Enthusiasten und Idealisten, die nach wie vor die Freude an den historischen Maybach-Automobilen pflegen.

In unregelmäßigen Abständen erscheint ein "Maybach-Register", enthaltend Informationen - so ausführlich wie möglich - über alle bekannten Maybach-Fahrzeuge. Dieses Register kann käuflich erworben werden.

Der Maybach-Club darf aber keine Auskunft über die Besitzer der Fahrzeuge oder Adresse geben.

Der Club steht in enger, freundschaftlicher Verbindung mit der neuen Marke "Maybach" des DaimlerChrysler Konzerns und freut sich darüber, daß durch den neuen "Maybach" die alte Tradition fortgesetzt wird, nämlich das "beste Auto der Welt" zu bauen.